Projektende im Juli 2012.
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Motivation

Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern

Eine der wesentlichen Rettungsmaßnahmen bei Anschlägen, Anschlagsdrohungen, Großunfällen und Naturkatastrophen ist die Entfluchtung betroffener Gebäude und Regionen. Das vorherrschende Ziel dabei ist, betroffene Personen so schnell und so zuverlässig wie möglich zu evakuieren, d.h. sie müssen aus dem Gefahrenbereich in Sicherheit gebracht werden. Aus der Vergangenheit sind bereits einige tragische Szenarien bekannt, wie etwa die Katastrophe im Hillsborough-Stadion im April 1989: Aufgrund von Überfüllung eines Blocks wurden während eines Fußballspiels Zuschauer gegen einen Zaun am Spielfeldrand gedrückt oder niedergetrampelt. 96 Menschen kamen dabei ums Leben, 766 wurden verletzt.

Szenario

Im Mittelpunkt des Interesses steht in diesem Projekt die regionale Evakuierung. Insbesondere die Situation, die sich ergibt, wenn eine große Menschenmenge ein Gebäude bereits verlassen hat und nun weiter in Sicherheit gebracht werden soll, wird beleuchtet. Eine ähnliche Situation entsteht heute wöchentlich nach jedem Bundesligaspiel, wenn in manchen Stadien bis zu 75 000 Besucher zu Zügen und Parkplätzen drängen. Das Gefahrenpotenzial wird zudem verstärkt, wenn gewaltbereite rivalisierende Fans aufeinandertreffen. Dies wird unter anderem durch das massive Aufgebot an Kräften der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), insbesondere der Polizei, Feuerwehr und der Rettungsdienste, verdeutlicht. Im Falle eines Evakuierungsereignisses kommt noch erschwerend hinzu, dass viele Besucher des Spiels nicht ortskundig sind. Die Entfluchtung des Stadions an sich reicht im Ernstfall also nicht aus.

Projektbeschreibung und Ziele

Mit Hilfe der mathematischen Optimierung und Simulation werden Methoden entwickelt, mit denen realitätsnahe Evakuierungspläne für eine ganze Region vor Eintreten eines Katastrophenfalls entworfen werden können. Diese Pläne können in der tatsächlichen Entfluchtungssituation kontrolliert und an die sich während der Evakuierung ständig verändernden Bedingungen angepasst werden. Eine robuste, d.h. gegen Ausfälle und Überlastung geschützte, Lokalisierungstechnologie für mobile Endgeräte wird ermöglichen, Daten zu Fußgängergeschwindigkeiten und zur Auslastung der einzelnen Wege rund um das Stadion zu gewinnen. In einer ersten Übung im April 2011 wurden die bisher entwickelten Methoden getestet, analysiert und Daten zu Fußgängergeschwindigkeiten erhoben. Am Ende des Projektes wird eine Softwarebibliothek zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe die BOS ihre Einsätze für viele mögliche Szenarien im Voraus planen und üben können. Die Gefahr in Notfallsituationen wird so minimiert.

Innovationen und Anwendungen

Die Forschung knüpft an entsprechende Ergebnisse aus der Gebäudeevakuierung an und schließt damit eine wichtige Sicherheitslücke. Bei der regionalen Evakuierung muss im Vergleich zur Gebäudeevakuierung auf die sich ständig verändernde Topologie reagiert werden. Insbesondere durch die Einsatzkräfte, die sich im Regelfall entgegen der Bewegung der Menschenmassen zum Stadion hin orientieren, verändert sich die Umgebung ständig. Begleitend werden die technischen Innovationen auf ihre Verständlichkeit und Akzeptanz hin überprüft und eine sozialwissenschaftlich orientierte Angst- und Panikforschung durchgeführt. Die ganzheitliche Betrachtung ist das entscheidende Merkmal des Projektes. So entsteht keine Einzellösung, sondern eine ganzheitliche Systeminnovation.

Zukunftsvisionen

Ein weiterführendes Ziel ist es, die mathematischen Ergebnisse in einem individuellen Leitsystem für die Besucher umzusetzen. Möglich wäre es nach weiterem Fortschritt der Smartphone-Technologie und insbesondere einer Kapazitätserweiterung verfügbarer Netze, einzelne Personen über die Nutzung bestehender WLAN-Netze zu lokalisieren. Basierend auf der aktuellen Position und der Positionen der anderen Stadionbesucher kann ein individuelles Leitsystem entwickelt werden, das dem einzelnen Zuschauer im Ernstfall zum Verlassen des Gebietes Betzenberg dienlich sein kann.

Verbundkoordinator

Prof. Dr. Horst W. Hamacher / Jun.Prof. Dr. Stefan Ruzika
Fachbereich Mathematik
TU Kaiserslautern

Dauer

Februar 2009 - Juli 2012

Förderinstitution

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Danksagung

Wir bedanken uns bei der Stadt Kaiserslautern, Referat Stadtentwicklung, für die Bereitstellung von Kartenmaterial des Gebiets Betzenberg in Kaiserslautern.